Art Wolfe – Wasserträgerinnen in Indien

Wasserträgerinnen in Indien © Art Wolfe/ Art Wolfe Stock
Wasserträgerinnen in Indien © Art Wolfe/ Art Wolfe Stock

Art Wolfe ist einer der bedeutendsten Naturfotografen der Gegenwart. Das Schleswiger Stadtmuseum zeigt vom 3. Juni bis zum 30. Oktober 2016 die weltweit erste Retrospektive des Amerikaners unter dem Titel „Die Erde ist mein Zeuge“. Das Schleswig-Holstein Journal, das Magazin des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages, stellt in einer von mir verfassten Serie die besten Fotos von Art Wolfe vor. Am 11. Juni 2016 erschien mein Beitrag über das Bild indischer Wasserträgerinnen:

Viele Fotografen behalten die Geheimnisse ihrer Technik, Lichtführung und Komposition für sich. Nicht so Art Wolfe. In den USA sorgt er gerade mit einer Serie von Workshops unter dem Titel „Fotografie als Kunst“ mit seinem Insiderwissen für Furore. Für die Leser des sh:z-Magazin verriet er mir exklusiv das „Making of“ seiner berühmten Aufnahme der indischen Wasserträgerinnen: „Indien ist ein Ort, an dem Wasser ein Problem sein kann. Während einer Expedition durch die Thar-Wüste im indischen Rajasthan erfuhr ich von einem Dorf, in dem die Frauen eine tägliche Wanderung über Sanddünen zu dem einzigen Brunnen weit und breit machen. Jeden Morgen nehmen sie ihre Wassergefäße und legen etliche Kilometer in der Wüste zurück, um sie zu füllen und nach Hause zu bringen, wo die Familien bereits sehnsüchtig auf das Wasser warten. Ich verbrachte eine Nacht in dem Dorf und fragte, ob ich die Wasserträgerinnen am nächsten Tag begleiten könnte. Ich bot ihnen etwas Geld an, wenn ich sie für meine Aufnahmen in Szene dürfte. Sie waren einverstanden.

Am nächsten Morgen begann der Marsch. Ich wurde von den Farben der Gewänder im Kontrast zu der Wüste förmlich erschlagen. Ich schoss viele Bilder, wobei ich jeweils Farben, Linien oder Muster betonte. Ich dachte wirklich, alles aus dem Motiv herausgeholt zu haben. Aber das Licht wollte es anders. Als ich mich um die Frauen herumbewegte, um die beste Aufnahmeposition zu suchen, begann ich wunderbare Schatten zu sehen, als sie den Kamm der Dünen erreichten. Das dramatische Gegenlicht betonte die Frauen und ihre Wassertöpfe. Ich erkannte den einzigartigen Moment und begann mit einer Serie von Aufnahmen. Ich wechselte mehrfach die Position und verwendete schließlich ein 16-mm-Weitwinkelobjektiv, um alle Wasserträgerinnen in einer Reihe als Silhouetten in Szene zu setzen. Als ich am Morgen aufbrach, hätte ich nie gedacht, das Motiv in dieser Form aufzunehmen. Also: Bleiben Sie immer neugierig, wenn Sie fotografieren, und spielen Sie mit dem Licht!“

 

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