Lightroom und Photoshop im Abo

Screenshot Infofenster Creative Cloud
Screenshot Infofenster Creative Cloud

Die Bildbearbeitungs-Programme Lightroom und Photoshop von Adobe sind für ambitionierte Fotografen die erste Wahl in der „digitalen Dunkelkammer“. Das gilt inzwischen auch für Nutzer des Nikon-Systems, wie ich in einem Blogbeitrag erläutert habe.

Kaufen oder mieten?

Der Erwerb der beiden Produkte will gut überlegt sein. Es gibt eine auf den ersten Blick verwirrende Vielfalt von Möglichkeiten.

Kauf der Einzelversionen: Dabei erwirbt man bei Lightroom in der Version 6 ein zeitlich unbegrenztes Nutzungsrecht, erhält allerdings keine Updates. Kosten: ca. 111 €. Bei Photoshop ist die inzwischen veraltete Version CS6 ebenfalls ohne zeitliches Limit nutzbar, aber auch hier fehlt die Update-Option. CS6 ist allerdings kaum noch erhältlich. Kaufversionen sind also ein Auslaufmodell. 

Software mieten: Photoshop wird in der aktuellen Version CC mit einer Jahreslizenz zum Preis von etwa 300 € im Handel angeboten. Eine unbefristet nutzbare Photoshop-Variante, die der Version CC entspricht, gibt es – anders als bei Lightroom – nicht mehr, zum Verdruss vieler Photoshop-Anwender. Unter der Dachmarke „Creative Cloud“ vertreibt Adobe seine Bildbearbeitungs-Produkte auch direkt im Internet, und zwar im Rahmen eines Abo-Modells mit monatlicher oder jährlicher Zahlung. Die Preisspanne ist extrem: Für aktuell 95,18 € im Monat erhält man Zugang zur gesamten Kollektion von über 20 Applikationen einschließlich 10 kostenfreier Bilder aus dem Fundus von Adobe Stock. Diese Lösung mag für Grafiker und kleine Werbeagenturen interessant sein, aber kaum für Fotografen. Diese dürften sich eher von dem Paket für 59,49 € (monatlich) angesprochen fühlen, bei dem die Nutzung von mehr als 20 Applikationen mit einem 20-GB-Cloud-Speicherplatz gebündelt wird. Benötigt man lediglich ein Einzelprodukt aus dem Adobe-Sortiment, kommt das Abo für 23,79 € (monatlich) in Betracht: eine Applikation eigener Wahl, zum Beispiel Photoshop CC, in Verbindung mit einem 20-GB-Speicherplatz in der Adobe-Cloud. Und schließlich bietet Adobe im Rahmen seiner Creative-Cloud-Palette ein Paket an, das speziell für Fotografen geschnürt wurde: Für aktuell 11,98 € im Monat erhält man damit Lightroom CC und Photoshop CC sowie eine Reihe weiterer Desktop-Tools für die Bild- und Videobearbeitung, außerdem eine Nutzungsoption für Lightroom mobile. Cloud-Speicherplatz  ist beim Foto-Abo ebenfalls verfügbar, allerdings limitiert auf 2 GB für die Desktop-Anwendungen.

Meine Erfahrungen mit dem Foto-Abo von Adobe – und ein Geheimtipp

Seit vier Monaten nutze ich das Foto-Abo von Adobe. Etwa 75 % aller Aufgaben erledige ich mit Lightroom. Für spezielle Bearbeitungsschritte komme ich allerdings an Photoshop (und dem integrierten Adobe Bridge) nicht vorbei. Selten benötige ich zusätzliche Tools wie etwa Silver Efex Pro aus der Google Nik Collection. Erfreulich: Googles Nik Collection gibt es mittlerweile kostenlos. Vor gut einem Jahr kosteten die sieben Plugins noch 150 $! Das Bundle lässt sich übrigens als Erweiterung mühelos in Lightroom und Photoshop einfügen.

Aus meiner Sicht hat Adobe mit der Kombination von Lightroom und Photoshop ein praxisgerechtes Paket für Fotografen geschnürt, mit dem alle Aufgaben in der Bildverwaltung und Bildbearbeitung gelöst werden können. Nur: Ist dieses Creative-Cloud-Abo den Preis von knapp 12 € im Monat wirklich wert? Wer eher sporadisch in seine digitale Dunkelkammer eintaucht, wird diese Frage wahrscheinlich schnell mit Nein beantworten. In allen anderen Fällen helfen vielleicht folgende Aspekte bei der Entscheidungsfindung:

  • Mit Adobes Foto-Abo bekommt man kostenlos alle Updates für die jeweils laufende Version und ohne Aufpreis das Upgrade auf jede neue Version. Über den aktuellen Stand aller installierten Produkte wird man durch ein Benachrichtigungsfenster des Creative-Cloud-Servers informiert – je nach persönlichem Geschmack diskret im Hintergrund oder (bei Windows 10) unübersehbar an den Infobereich angeheftet.  
  • Die Lizenz gilt für zwei Rechner. Es ist möglich (und legal), Lightroom und Photoshop auf mehr als zwei Maschinen zu installieren. Um die Produkte dann auch nutzen zu können, muss man die Lizenz von einem Computer zum anderen temporär „verschieben“. 
  • Im Abonnement enthalten ist die kostenlose Nutzung von Lightroom mobile auf beliebig vielen Smartphones oder Tablets des Abo-Inhabers. Was vielfach unbekannt ist: Über die Schnittstelle Lightroom mobile kann man sein komplettes Bildarchiv mit Mobilgeräten synchronisieren und damit unterwegs verfügbar machen – zwar in reduzierter Auflösung, aber ohne Speicherlimit! Warum Adobe diesen Pluspunkt seines Foto-Abos fast schamhaft verschweigt, ist mir ein Rätsel.
  • Wenn das Abonnement beendet wird, muss man nicht befürchten, sein Lightroom-Bildarchiv (abgelegt in sogenannten Katalogen) zu verlieren. Adobe versichert, dass sich das Programm weiterhin starten lässt. Das Druck-, Diashow- und Printmodul wird weiterhin nutzbar sein. Alle Bilder samt Metadaten lassen sich laden, betrachten und exportieren. Deaktiviert werden hingegen das Entwicklungsmodul, für mich das Herzstück des Programms, und die Geotagging-Funktion. Auch die mobile Synchronisation wird abgeschaltet.

 

Fazit

Leider bieten immer mehr Software-Hersteller ihre Produkte nur noch mit einer temporären Nutzungslizenz an. Dieses Vertriebssystem scheint äußerst lukrativ sein – auch für Adobe: Im Geschäftsjahr 2015 bescherten 6,17 Millionen Creative-Cloud-Abonnenten Adobe einen Rekordumsatz von 1,31 Milliarden Dollar. Insofern ist die Kritik an dem Geschäftsmodell des US-Unternehmens nachvollziehbar. Für Profis und ambitionierte Fotografen sind die Adobe-Produkte Lightroom und Photoshop allerdings nahezu alternativlos, so dass es nur noch darum geht, in der Creative-Cloud-Produktpalette die optimale Paketlösung zu finden. Meine Empfehlung lautet: Adobes Foto-Abo für 11,98 € im Monat. 

 

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