Das Makroblitzgerät Nikon SB-29 digital einsetzen

Nikon Makroblitzgerät SB-29 mit Graufilter-Modifizierung © Holger Rüdel
Das Nikon Makroblitzgerät/Speedlight SB-29 mit Graufilter-Modifizierung für den Digitaleinsatz, montiert an einem AF Micro-Nikkor 2,8/105 D. Das Steuergerät des SB-29 befindet sich auf dem Blitzschuh des Kameragehäuses. © Holger Rüdel

Kein anderer Hersteller professioneller Fotogeräte kann es mit Nikon in Sachen Kompatibilität seiner Produkte aufnehmen. Bestes Beispiel ist das 1959 mit der Nikon F eingeführte Objektivbajonett, das bis heute in den Nikon-Spiegelreflexkameras verbaut wird. Über 400 verschiedene Nikkor-Objektive lassen sich, mit unterschiedlicher Funktionalität, damit verwenden. Während andere Kamerahersteller ihr bisheriges Bajonett bei der Einführung des Autofokussystems einstellten, gelang den Technikern von Nikon das Kunststück, das F-Bajonett weiterzuentwickeln. Das war und ist für alle Nikon-Fotografen, die hochwertige, manuelle Spezialobjektive wie das Shift-PC-Nikkor 3,5/28 mm und andere “Edelsteine” aus der Vor-Autofokuszeit besitzen, ein enormer Vorteil.

Ältere Blitzgeräte nicht digitaltauglich

Einen Rückschlag für die sprichwörtliche Kompatibilität des Nikon-System bedeutete allerdings die digitale Revolution, auf die Nikon im Bereich der professionellen Spiegelreflexkameras mit der D1 im Jahr 1999 reagierte. Zwar waren (und sind) die im analogen Zeitalter entwickelten Objektive weitgehend auch an der D1 und ihren Nachfolgemodellen (bis hin zur aktuellen D4 und D800) verwendbar, aber nicht die professionellen älteren Blitzgeräte wie etwa das SB-24, SB-25 und SB-26; zumindest nicht im TTL-Modus. Dieses Manko kann man nicht den Nikon-Ingenieuren anlasten, denn Digitalkameras unterstützen die TTL-Funktion von Blitzgeräten aus der analogen Ära konstruktionsbedingt grundsätzlich nicht.

Grünes Heupferd, mit dem Nikon SB-29 aufgenommen © Holger Rüdel
Das Nikon-Makroblitzgerät/Speedlight SB-29 im Einsatz: Ein Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima), Auge in Auge aufgenommen in einem Garten in Selk (Schleswig-Holstein). © Holger Rüdel

Das Makroblitzgerät SB-29 im digitalen Zeitalter

Als ich im Frühsommer 2001 begann, mit dem gerade auf den Markt gekommenen Makroblitzgerät SB-29 eine für mich neue Motivwelt im extremen Nahbereich zu entdecken, erschien mir das digitale Blitz-Kompatibilitätsproblem als Besitzer einer analogen Nikon F4 und F5 nicht relevant. Die TTL-Funktion des SB-29 lieferte – unter Berücksichtigung der Abstandsgrenzen zum Motiv – stets perfekt belichtete Dias ohne große Experimente. Das änderte sich mit dem Umstieg auf die Digitalfotografie schlagartig: Ich musste mich daran gewöhnen, das SB-29 an meiner D700 nur noch im manuellen Betrieb zu verwenden. Das war leichter gesagt als getan, denn im Makrobereich wurden fast alle Bilder selbst bei einer auf ein Viertel reduzierten Blitzleistung und bei Blende 32 (AF Micro-Nikkor 2,8/60 und 2,8/105) hoffnungslos überbelichtet.

Mein Workaround

Wie lässt sich nun die Lichtmenge des SB-29 so weit reduzieren, dass Arbeitsblenden von maximal 32 einwandfrei belichtete Makroaufnahmen an der D700 ergeben? Zwei Lösungen bieten sich an. Zum einen kann man kann den Diffusor des SB-29 mit einem Filzstift schwarz bepinseln – wirksam, aber sicher nicht die eleganteste Lösung. Ich habe mir deshalb bei einem Spezialisten für Foto-Zubehör Graufilter-Gelantinefolie in Dichte 0,6 (Absorption 75 %) besorgt und den Diffusor der Blitzleuchte mit zwei Streifen der Folie abgedeckt. Seitdem kann ich das SB-29 mit den üblichen Arbeitsblenden von 8 bis 22 (in Ausnahmefällen Blende 32; ungern wegen möglicher Beugungsunschärfe!) im Makrobereich nutzen. Die Belichtungskontrolle findet über das Display der D700 statt – und nur gelegentlich muss ich korrigieren und die Aufnahmen mit anderer Blende wiederholen. Mein Fazit: Das Makroblitzgerät SB-29 gehört auch im digitalen Zeitalter durchaus nicht zum alten Eisen!

 

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