Lee Miller im Bucerius Kunst Forum

Lee Miller, Picasso and Lee Miller in his studio, Paris, 1944. © Lee Miller Archives England 2022
Lee Miller, Picasso and Lee Miller in his studio, Paris, 1944. © Lee Miller Archives England 2022

Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg präsentiert mit der Ausstellung “Lee Miller. Fotografin zwischen Krieg und Glamour” eine herausragende Persönlichkeit in der Fotografie des 20. Jahrhunderts. In ihrem Werk vereint Elizabeth „Lee“ Miller (1907 – 1977) zahlreiche Genres wie den Surrealismus, Mode-, Porträt- und Reisefotografie sowie Kriegsberichterstattung. Inhaltlich und geografisch brach Miller immer wieder zu neuen Ufern auf. Die Schau zeigt, wie Lee Millers biografische Stationen ihre fotografische Herangehensweise beeinflussten. Anhand von 150 Aufnahmen aus der Zeit von 1928 bis 1951 wird die ganze Breite in ihrem Lebenswerk sichtbar.

Lee Miller, Nude bent forward [thought to be Noma Rathner], Paris, 1930. © Lee Miller Archives England 2022
Lee Miller, Nude bent forward [thought to be Noma Rathner], Paris, 1930. © Lee Miller Archives England 2022

Lee Miller: Modell und Fotografin

In den 1920er Jahren stand Lee Miller den bekanntesten Fotografen des 20. Jahrhunderts Modell. Nach zwei Jahren vor der Kamera wechselte sie die Seite. In Paris lernte sie den Künstler Man Ray kennen. Sie arbeiteten an gemeinsamen Fotoprojekten und experimentierten mit der Technik der Solarisation. In ihrem künstlerischen Streben fand Miller Anschluss an die progressive Kunstszene von Paris. Sie beschäftigte sich mit den Stilmitteln des Surrealismus und entwickelte ihre eigene künstlerische Sprache.1932 verließ sie Paris und kehrte in ihre Heimat New York zurück, wo sie zwei Jahre lang ein äußerst erfolgreiches Fotostudio betrieb.

Lee Miller: Fire masks, London, 1941. © Lee Miller Archives England 2022
Lee Miller: Fire masks, London, 1941. © Lee Miller Archives England 2022

1934 heiratete sie den ägyptischen Geschäftsmann Aziz Eloui Bey und zog mit ihm nach Kairo. Ihr eigener, im Surrealismus wurzelnder Blick für eine mehrdeutige Wirklichkeit findet sich in den Naturformen ihrer Landschaftsbilder wieder. In der ägyptischen Wüste entstanden viele ihrer bekanntesten surrealistischen Arbeiten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, lebte Miller mit ihrem neuen Partner, dem englischen Künstler Roland Penrose, in London. Ab 1940 arbeitete sie als Fotografin für die amerikanische Vogue. Die in London entstandenen Aufnahmen sind häufig kunstvoll inszeniert und deutlich vom Surrealismus geprägt.

Lee Miller, Auxiliary Territorial Service searchlight operators, Nord-London, 1943. © Lee Miller Archives England 2022
Lee Miller, Auxiliary Territorial Service searchlight operators, Nord-London, 1943. © Lee Miller Archives England 2022

Als Bildreporterin im Krieg

Unter dem Einfluss der kriegerischen Ereignisse wandte sie sich schließlich der Reportagefotografie zu – eine Entscheidung, die ihr später weltweite Anerkennung einbringen sollte. Sie akkreditierte sich als eine von wenigen Amerikanerinnen 1942 bei der US-Army als Kriegsreporterin und berichtete ab 1944 an vorderster Front für die Vogue. So fotografierte sie die Befreiung der Normandie durch die Alliierten und begleitete die vorstoßenden amerikanischen Truppen mit ihrer Kamera durch Europa. Als eine der Ersten dokumentierte sie die Verbrechen der Nationalsozialisten in den soeben befreiten Konzentrationslagern in Dachau und Buchenwald. Während einer Zwischenstation in München hielt sie sich in der von US-amerikanischen Soldaten besetzten Privatwohnung Hitlers auf. Dort entstand eines ihrer berühmtesten Fotos, bei dem sie sich in der Badewanne des “Führers” abbilden ließ. Die Stiefel, die sie während ihres Besuchs des Konzentrationslagers in Dachau getragen hatte, stellte sie auf die schmutzige Badematte vor der Wanne. Inszeniert wurde dieses Symbolbild ausgerechnet am Todestag von Hitler.

Lee Miller, David E. Scherman, dressed for war, London, 1942. © Lee Miller Archives England 2022
Lee Miller, David E. Scherman, dressed for war, London, 1942. © Lee Miller Archives England 2022

Nach dem Ende des Krieges kehrte Lee Miller, traumatisiert von ihren Erlebnissen, nach Großbritannien zurück und legte ihre Arbeit als professionelle Fotografin nieder. In die Geschichte eingegangen ist sie als eine der renommiertesten Bildjournalistinnen des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung ist vom 10. Juni bis zum 24. September 2023 im Bucerius Kunst Forum in Hamburg zu sehen.

 

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