Art Wolfe – Expedition zu den Buckelwalen

Buckelwal, Vava'u, Tonga © Art Wolfe/ Art Wolfe Stock
Buckelwal, Vava’u, Tonga © Art Wolfe/ Art Wolfe Stock

Art Wolfe ist einer der bedeutendsten Naturfotografen der Gegenwart. Das Schleswiger Stadtmuseum zeigt vom 3. Juni bis zum 30. Oktober 2016 die weltweit erste Retrospektive des Amerikaners unter dem Titel „Die Erde ist mein Zeuge“. Das Schleswig-Holstein Journal, das Magazin des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages, stellt in einer von mir verfassten Serie die besten Fotos von Art Wolfe vor. Am 25. Juni 2016 erschien mein Beitrag über das Unterwasserfoto eines Buckelwales:

Über keines der Bilder, die ich in dieser Serie exklusiv für die Leser des sh:z-Journals vorstelle, gab mir Art Wolfe so viele Hintergrundinformationen wie zu seiner Unterwasser-Begegnung mit einem mächtigen Buckelwal. Es war einer der Momente in seinem Leben als Fotograf, den er nie vergessen wird.

Schauplatz war ein Küstenabschnitt des Tonga-Archipels im Südpazifik. Außer in den Gewässern der Dominikanischen Republik dürfen Taucher nur dort in der Nähe von Walen schwimmen. Art Wolfe hatte alles sorgfältig geplant, als er im August 2013 nach Tonga aufbrach: Die Jahreszeit war perfekt gewählt, um tatsächlich Wale sichten zu können, ein erfahrener Führer gebucht und die Ausrüstung auf alle Situationen über und unter Wasser abgestimmt. Doch die Expedition zu den Riesen der Meere begann unglücklich: Bei der Ankunft verschwand ein Teil des Gepäcks, und zu allem Überfluss waren in letzter Zeit kaum Wale gesichtet worden. „Ich hatte mehr und mehr das Gefühl, dass der Trip nach Tonga eine totale Pleite sein würde“, erinnerte sich Art Wolfe.

Aber sein Guide, ein langjähriger Walspezialist, rettete die Situation. Er schlug vor, nur in einem kleinen Boot nach Buckelwalen zu suchen, ihnen respektvoll zu folgen und dann lediglich mit einer einfachen Schnorchelausrüstung statt mit aufwendigem Equipment ins Wasser zu steigen. „Das war die Theorie“, erklärte mir Art Wolfe. „Aber schwimme einmal im Meer, wenn sich unter oder neben dir ein tonnenschwerer Koloss bewegt, der in jedem Moment aus dem Wasser schießen kann und dich dabei versehentlich rammt! Ich riss mich zusammen und näherte mich mit meiner Canon EOS 5D Mark III und einem Weitwinkel-Zoomobjektiv, eingestellt auf 17 mm Brennweite, einem Buckelwal so dicht, dass ich die Seepocken auf seinem Schwanz deutlich erkennen konnte und dabei fast einen Schlag abbekommen hätte. Mehr als einmal schwamm ein Wal von sich aus auf mich zu und musterte mich neugierig Auge in Auge. Eine dieser Begegnungen habe ich in meinem Foto festgehalten. Das Bild wird mich immer an einen der aufregendsten Momente in meinem Leben erinnern.“

 

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