Gezeitenwechsel. Krabbenfischerei in der Nacht

Im Steuerhaus seines Krabbenkutters Annemarie, beheimatet auf Pellworm, navigiert Fritz Ronnebeck durch die Nacht, konzentriert auf Kurs, Gezeiten und die unsichtbaren Strömungen, die seine Arbeit seit Jahrzehnten bestimmen. Die Deckscheinwerfer schneiden helle Kegel in die Dunkelheit, draußen schlagen die Wellen gegen den Bug. Es sind Momente, die kaum jemand sieht – und doch prägen sie den Alltag der Krabbenfischerei an der Westküste.

Fangfahrt – Netze, Teamarbeit und Routine
Während meiner nächtlichen Mitfahrt auf der Annemarie habe ich die Arbeit an Bord mitverfolgt: das Einholen der Netze, das Sortieren der Krabben, die körperliche Routine, die geräuschlose Zusammenarbeit der Crew und die Konzentration im Steuerhaus bei den Manövern. Die Bilder zeigen eine Fischerei, die im Rhythmus der Gezeiten lebt – und die sich gleichzeitig in einem tiefgreifenden Wandel befindet.

Fritz Ronnebeck führt seinen Kutter seit vielen Jahren. Seine Erfahrung zeigt sich in jeder Bewegung, in jedem Blick nach draußen. An seiner Seite arbeitet Katrin Knudsen, die seit Langem in der Krabbenfischerei tätig ist. Ihre Arbeit an den Netzen, im Scheinwerferlicht der Nacht, macht die körperliche Seite dieses Berufs sichtbar: präzise, routiniert, konzentriert.

Verarbeitung an Bord – Vom Fang zum Kochkessel
Der Ablauf an Bord folgt einer festen Ordnung. Nach dem Einholen der Netze gelangen die Krabben zunächst in einen Trichter und von dort in eine rotierende Siebtrommel, die Wasser und Beifang trennt. Anschließend fallen sie direkt in den Kochkessel, der mit heißem Meerwasser gefüllt ist. Dort werden sie gegart, damit sie nicht verderben und transportfähig bleiben. Der aufsteigende Dampf, der auf einigen Bildern zu sehen ist, gehört zu diesen nächtlichen Fahrten wie das Rauschen der See.

Krabbenfischerei im Wandel – Herausforderungen im Nationalpark
Die Krabbenfischerei im Nationalpark Wattenmeer steht heute vor großen Herausforderungen. Steigende Betriebskosten, strengere Umweltauflagen, der Druck internationaler Märkte und die Auswirkungen des Klimawandels verändern die Bedingungen für die Fischerinnen und Fischer an der Westküste. Gleichzeitig gelten im Nationalpark besondere Regeln: Fanggebiete, Schonzeiten, technische Vorgaben für die Netze und Maßnahmen zum Schutz von Jungfischen und Bodenlebewesen.

Die Betriebe arbeiten seit Jahren mit schonenden Fangmethoden, die den Beifang reduzieren und den Meeresboden möglichst wenig belasten. Der Spagat zwischen wirtschaftlicher Existenz und ökologischer Verantwortung bleibt dennoch anspruchsvoll.
Gezeitenwechsel – Ausblick auf Ausstellung und Buch
Die nächtliche Fangfahrt auf der Annemarie ist Teil meines Langzeitprojekts Gezeitenwechsel. Die Bilder werden in der kommenden Ausstellung und im begleitenden Buch zu sehen sein. Sie erzählen von der Arbeit auf See, von den Menschen, die sie tragen, und von einer Küstenlandschaft, die sich im Wandel befindet.