Gezeitenwechsel. Biikebrennen in Nordfriesland

Am 21. Februar 2026 wird Nordfriesland wieder von Flammen erleuchtet. Das Biikebrennen, eines der ältesten nordfriesischen Feste, markiert traditionell das Ende des Winters und den Beginn der neuen Saison – einst für die Walfänger, zur Vertreibung böser Wintergeister oder zum Schutz der kommenden Ernte. Heute ist es ein identitätsstiftendes Ritual und seit 2014 sogar immaterielles Kulturerbe Deutschlands.
Für meine Reportage „Gezeitenwechsel“ habe ich zwei Biikefeuer fotografisch begleitet: das „offizielle“ Biikebrennen in Bordelum, hoch oben auf dem Stollberg beim Fernmeldeturm, und das Biikebrennen der friesischen Volksgruppe in Risum-Lindholm, musikalisch umrahmt vom Verein „Frisia Historica“.
Biikebrennen in Bordelum
Der Stollberg, höchste Erhebung Nordfrieslands, war am Abend des 21. Februar mein erster Schauplatz. Menschen aus der Region, Familien, Kinder auf den Schultern – ein Meer aus Silhouetten vor dem lodernden Feuer. Das Biikebrennen in Bordelum ist ein würdiger, offiziell anmutender Akt – mit einem Grußwort des Landrats, Aufmarsch der Feuerwehr, Fackelzug und Jagdhornbläsern.
Und doch: Wenn die Flammen steigen, wenn Funken in den Himmel schießen, wenn Rauch und Licht die Nacht durchdringen, wird das Ritual archaisch.
Schauplatz Risum-Lindholm
Ganz anders das Biikebrennen der friesischen Volksgruppe in Risum-Lindholm, einige Kilometer nördlich von Bordelum. Hier ist das Feuer nicht nur Symbol, sondern gelebte Identität.
Der Verein „Frisia Historica“ umrahmte das Ritual mit Musik, Fahnen und historischen Gewändern.

Die friesische Minderheit in Nordfriesland ist eine der vier anerkannten autochthonen Minderheiten in Deutschland – neben den Sorben, den Dänen und den Sinti und Roma. Sie verfügt über eine eigene Sprache, eigene kulturelle Ausdrucksformen und ein starkes regionales Selbstverständnis.
Das Biikebrennen in Risum-Lindholm ist Ausdruck dieser Eigenständigkeit: kein touristisches Event, sondern ein selbstgestaltetes Ritual, das Tradition, Sprache und Gemeinschaft verbindet. Gerade in Zeiten, in denen kulturelle Vielfalt oft unter Druck gerät, ist solche Sichtbarkeit wichtig.

