Jim Brandenburg – Magier der Wolfsfotografie

Jim Brandenburg signiert Plakate mit Bruder-Wolf-Motiv im Schleswiger Dom © Holger Rüdel
Nach seinem Vortrag im Schleswiger Dom am 18. Juni 2011 signierte Jim Brandenburg Plakate mit dem Bruder-Wolf-Motiv. © Holger Rüdel

In der gigantischen Bilderflut, der wir jeden Tag in den Medien ausgeliefert sind, gibt es nur wenige Motive, die man nie wieder vergisst. In der journalistischen Fotografie gehört etwa Steve McCurrys Porträt des afghanischen Flüchtlingsmädchens mit den unglaublich leuchtenden Augen dazu; in der Tier- und Naturfotografie sind es die Wolfsbilder von Jim Brandenburg. Der Wolf – gefürchtet, bewundert, von Legenden umrankt: Nur wenige kennen dieses faszinierende Tier wirklich.

Seit seiner frühesten Jugend hat sich Jim Brandenburg mit Wölfen beschäftigt und den Wunsch gehabt, das Leben dieser intelligenten Raubtiere in der Wildnis zu beobachten und hautnah zu fotografieren. Auf Ellesmere Island, der nördlichsten Insel der Welt, fand Brandenburg, wonach er lange gesucht hatte: ein Rudel wilder Wölfe ohne die für ihre Art so typische Furcht vor Menschen. Seine dort in den 1980er Jahren entstandenen Fotos wurden unter dem Titel „White Wolf“ bzw. „Der weiße Wolf – eine arktische Legende“ veröffentlicht und mit zehn nationalen und internationalen Preisen bedacht.

Im Land der wilden Wölfe

Für National Geographic drehte Brandenburg auf der Insel auch einen Dokumentarfilm über das arktisches Wolfsrudel. Sein Ellesmere-Island-Projekt, das er unter denkbar unwirtlichen Bedingungen realisieren musste, war der erste Höhepunkt seiner Karriere als Fotograf. Brandenburg wurde mit einem Schlag weltweit bekannt als Spezialist für ungewöhnliche Tieraufnahmen und insbesondere das Verhalten freilebender Wölfe. Diesem Genre blieb er bei seinem nächsten großen Vorhaben treu, das er in den frühen 1990er Jahren anpackte: In den fast unendlichen Wäldern des nördlichen US-Bundesstaates Minnesota leben Wölfe noch immer wie zu Urzeiten, aber sie sind viel scheuer und versteckter als in der Arktis.

Diese fast unsichtbaren Raubtiere mit der Kamera zu begleiten, war die gigantische Herausforderung. Doch Jim Brandenburg hatte in der Wildnis Minnesotas einen entscheidenden logistischen Vorteil: Seit einigen Jahren schon lebte er mitten im „Wolfsland“ auf Ravenwood, einer stilvollen, harmonisch in die Landschaft eingebetteten Lodge unweit der Grenze zu Kanada.

„Brother Wolf – A Forgotten Promise“

1994 konnte der Magier der Tierfotografie das Projekt erfolgreich abschließen. 140 der eindrucksvollsten Bilder erschienen in dem Band „Brother Wolf – A Forgotten Promise“ („Bruder Wolf. Das vergessene Versprechen“) mir sehr persönlichen Anmerkungen des Fotografen. Dieses Buch, das in mehreren Ländern veröffentlicht wurde, bedeutete einen weiteren weltweiten Popularitätsschub für Brandenburg. Vielleicht ist der Erfolg von „Bruder Wolf“ auch der suggestiven Wirkung des Covermotivs zu verdanken: dem Porträt eines Tieres, das mit scharfem Blick vorsichtig hinter einem Baumstamm hervorlugt – für mich eines jener Bilder von Jim Brandenburg, die einen nicht mehr loslassen.

Dieser Beitrag wurde am 4. Juni 2011 veröffentlicht in: Schleswig-Holstein Journal, Magazin des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages, S. 14.

 

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