Ausstellung „Nomaden unserer Zeit“ in Wildeshausen eröffnet

Das neue Urgeschichtliche Zentrum Wildeshausen in Niedersachsen ist ein Ort, an dem die lange Beziehung zwischen Mensch, Landschaft und Tierhaltung erfahrbar wird. Genau hier wurde am 4. März 2026 die Tournee-Ausstellung „Nomaden unserer Zeit“ der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein über vier Wanderschäfereien eröffnet – als erste Sonderschau im modernisierten Komplex an der Hunte.
Wanderschäferei-Ausstellung in Wildeshausen: Beitrag zur Eröffnung
Ich war eingeladen, die Entstehung der Bildreportage und das Ausstellungskonzept aus meiner Sicht als Autor bei der Vernissage zu erläutern. Ein zentraler Gedanke meiner Rede war die historische Tiefe des Themas:
Wer sich mit Urgeschichte beschäftigt, begegnet einer anthropologischen Konstante: Menschen waren immer in Bewegung, immer in Beziehung zur Landschaft, immer abhängig von Tieren und natürlichen Ressourcen.
Aus der Eröffnungsrede in Wildeshausen, 4. März 2026
Und mitten in dieser langen Geschichte steht ein Handwerk, das bis heute überlebt hat — und zugleich vom Verschwinden bedroht ist: die Wanderschäferei.

Eine Begegnung als Schlüsselmoment
Ausgangspunkt des Projekts „Nomaden unserer Zeit“ war eine zufällige Begegnung mit dem Wanderschäfer John Kimmel am Danewerk – eine Begegnung, die mich nicht losließ.
Aus diesem Zusammentreffen entwickelte sich eine intensive Recherche über die Geschichte und Gegenwart eines der ältesten Berufe der Menschheit.

Die ökologische Bedeutung der Wanderschäferei
Je tiefer ich einstieg, desto klarer wurde mir die ökologische Bedeutung dieses Handwerks.
Ohne die Beweidung durch Schafe und Ziegen würden Hochmoore und Heiden in kurzer Zeit verbuschen. Gerade Moore sind im Kontext des Klimawandels entscheidend: Sie bedecken nur drei Prozent der weltweiten Landfläche, speichern aber doppelt so viel CO₂ wie alle Wälder zusammen. Ihr Schutz lohnt — und ihre Zerstörung wäre fatal.
Aus der Eröffnungsrede in Wildeshausen, 4. März 2026
Für mich stand fest: Dieses Thema verdient eine fotografische Dokumentation.

Vier Betriebe, ein Auftrag
Im Sommer 2022 erhielt ich schließlich von der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein den Auftrag, vier der damals noch fünf Wanderschäfereien im Land zu porträtieren.
Ziel war es, das Bewusstsein für die Bedeutung dieses Handwerks zu stärken — gerade angesichts seiner ökologischen Funktion.
Aus der Eröffnungsrede in Wildeshausen, 4. März 2026
Dank der Unterstützung der Europäischen Union, des Landes Schleswig-Holstein, der Sparkassenfamilie und weiterer Förderer konnten die Ergebnisse in einem Bildband und in dieser Ausstellung dokumentiert werden, die nun erstmals außerhalb Schleswig-Holsteins zu sehen ist.

Ein Dialog mit der Urgeschichte in Wildeshausen
Im neugestalteten Urgeschichtlichen Zentrum erhält das Thema eine besondere Tiefenschärfe. Die Fotografien treten in einen Dialog mit einem Ort, der selbst von der jahrtausendealten Beziehung zwischen Mensch, Tier und Landschaft erzählt.
Die Ausstellung lädt dazu ein, ein altes Handwerk mit neuen Augen zu sehen – und seine Bedeutung für unsere Kulturlandschaften zu würdigen.
Ausstellungsinformationen
Urgeschichtliches Zentrum Wildeshausen, Huntestr. 47, 27793 Wildeshausen
5. März bis 3. Mai 2026
Dienstag bis Sonntag 12–17 Uhr
Das Beiprogramm der Ausstellung greift verschiedene Themen rund um Schafe und Schafhaltung auf. Ausführliche informationen auf der Website des Urgeschichtlichen Zentrums www.uzw-wildeshausen.de