Bornholm. Die Bautasteine von Louisenlund

Die dänische Ostseeinsel Bornholm ist reich an prähistorischen Denkmälern – doch kaum ein Ort strahlt eine so tiefe, fast greifbare Mystik aus wie Louisenlund. In einem lichten Wald nahe Østermarie befindet sich eine der größten Ansammlungen von Bautasteinen in Nordeuropa. Mehr als 50 dieser meist unbearbeiteten, schlanken Monolithen ragen hier zwischen den Bäumen empor. Errichtet etwa um 1100 v. Chr., dienten sie vermutlich als Grab- oder Gedenkstätten.
In der klassischen Schwarzweiß-Fotografie faszinieren diese Zeugen der Vergangenheit bereits durch ihre raue Geometrie. Das infrarote Spektrum des Lichts eröffnet jedoch eine völlig neue, tiefgründigere Interpretation dieser geschichtsträchtigen Kulturlandschaft.

Infrarot als Verschiebung der Wahrnehmung
Vor Ort ist Louisenlund ein unscheinbarer Wald. In der monochromen Infrarot-Fotografie entsteht jedoch eine Atmosphäre, die sich von der realen Wahrnehmung löst. Durch den Wood-Effekt leuchtet die Vegetation in einem hellen, fast weißen Ton; der Wald wirkt leichter, weniger greifbar – als wäre er aus einer anderen Schicht der Wirklichkeit heraus sichtbar geworden.
Die Steine bilden dazu den Gegenpol. Als dunkle Silhouetten ohne Binnenzeichnung stehen sie im Raum wie Zeichen einer vergangenen Kultur. Das Schwarzweiß des IR‑Spektrums nimmt dem Bild alle zeitlichen Merkmale – es zeigt keinen konkreten Moment, sondern einen Zustand, der sich der Einordnung entzieht.
Nichts ist überhöht, nichts inszeniert. Louisenlund bleibt ein Ort mit offenen Fragen. Die Infrarot-Fotografie macht diese Unbestimmtheit sichtbar und zeigt die Steine als rätselhafte Objekte im Raum – klar, ruhig und mit einer Aura, die viele Interpretationen zulässt.
Aufnahmedaten: Nikon D7000, für die monochrome Infrarot-Fotografie (Wellenbereich 830 nm) modifiziert. Objektiv: AF-S DX Nikkor 10-24 mm 1:3,5-4,5G ED.
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