Matthias Nanz – ein Fischer an der Schlei: Auf dem Holm. Teil 1

Der Fischer Matthias Nanz aus Schleswig ist einer der letzten Berufsfischer an der Schlei. Die Fischerei war früher prägend für den Schleswiger Stadtteil Holm, in dem Matthias Nanz lebt. Das Bild zeigt ihn in einer kurzen Arbeitspause bei der Reparatur seiner Reusen mit einer Netznadel.
Auf dem Holm in Schleswig: Matthias Nanz in einer kurzen Arbeitspause bei der Reparatur seiner Reusen mit einer Netznadel. © Holger Rüdel

Der Holm ist Schleswigs ältester Stadtteil. Und seit jeher der Lebensmittelpunkt der Fischer an der westlichen Schlei. Nachdem ich Matthias Nanz im Sommer, Herbst und Winter bei den Fangfahrten von seinem Liegeplatz in Missunde aus beobachtet habe, begleite ich ihn jetzt auch in seinem kleinen Reich auf dem Holm.

“Diese jahrhundertealte Fischersiedlung”, schreibt die Journalistin Nikola Haaks in ihrem lesenswerten Buch “Stille Winkel in Schleswig und an der Schlei” treffend, “ist eine Parallelwelt, in die man entweder hineingeboren wird oder zu der man nie richtig dazugehört. Eine Insel für sich – das war der Holm früher wirklich”.

 

Matthias Nanz gehört auf jeden Fall dazu. Schließlich ist er waschechter Holmer, Mitglied der lokalen Fischerzunft, zweiter Ältermann der Holmer Beliebung und deshalb ganz tief in der Gemeinschaft der gut 300 Menschen verwurzelt, die in dieser alten Siedlung mit ihrem liebenswürdigen dörflichen Charme leben. 

Die Landungsbrücken am Holmer Strand sind grasbewachsene Anleger der Schleswiger Fischer. Hier machen sie seit Jahrhunderten ihre Boote fest und lagern ihr Material wie diese Kisten und Netze.
Die Landungsbrücken am Holmer Strand sind grasbewachsene Anleger der Schleswiger Fischer. Hier machen sie seit Jahrhunderten ihre Boote fest und lagern ihr Material wie diese Kisten und Netze. © Holger Rüdel

Die Landungsbrücken – das Herz des Fischerlebens auf dem Holm

Sein Haus in der Straße Fuß am Holm, einer schmalen Gasse zwischen Friedhof und Schlei, ist nur einen Steinwurf entfernt von der Uferzone mit ihrem kleinen Sandstrand und den uralten Landungsbrücken der Fischer. An diesen grasbewachsenen Anlegern machen sie seit Jahrhunderten ihre Boote fest, und hier trocknen und lagern sie ihr Material – vor allem Netze, Reusen, Tauwerk, Bojen und Anker. Durch schwimmende Pontons sind einige der Landungsbrücken im Laufe der Zeit erweitert worden und ragen weit in die Schlei hinaus.

 

Die Landungsbrücken mit ihrer fotogenen Mischung aus Alt und Neu – mit verrosteten Ankern und morschem Holz neben frischem Nachschub an Fanggeräten und Zubehör – erwecken sicher bei manchen Besuchern des Holms den Eindruck eines großen Fischerei-Freilichtmuseums. Doch so nostalgisch die bühnenartige, archaisch anmutende Architektur der Landungsbrücken auf Fremde auch wirken mag: Es sind Arbeitsplätze von Matthias Nanz und seinen Kollegen. Hier werden Boote repariert, Netze und Reusen geflickt und Gespräche geführt über Glück und Misserfolg bei den letzten Fangfahrten. Mit einem Wort: Hier ist das Herz des Fischerlebens auf dem Holm.

Die Landungsbrücken am Holmer Strand sind grasbewachsene Anleger der Schleswiger Fischer. Hier machen sie seit Jahrhunderten ihre Boote fest und lagern ihr Material. Durch schwimmende Pontons sind einige der Landungsbrücken im Laufe der Zeit erweitert worden.
Eine Landungsbrücke am Holmer Strand in einer ruhigen Stunde. Nur ein Stehpaddler belebt die Szene. © Holger Rüdel

Und doch ist es oft still und beschaulich auf den Landungsbrücken: Wo früher weit über 100 Fischer tätig waren, sind es heute weniger als zehn – die letzten Aktiven dieser traditionsreichen Zunft in Schleswig.

Die Aufnahmen entstanden mit einer Fujifilm X-Pro2.

 

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