Nova Scotia. Blue Rocks – zwei Perspektiven

Blue Rocks liegt an der Atlantikküste von Nova Scotia in Kanada, wenige Kilometer südöstlich von Lunenburg. Der kleine Ort besteht aus einer Reihe von Bootshäusern, Wohngebäuden und Anlegestellen, die sich entlang einer geschützten Bucht verteilen.
Über Jahrzehnte war Blue Rocks ein Ort der handwerklichen Küstenfischerei – Hummer, Kabeljau, Makrele –, und viele der hölzernen Gebäude stammen aus dieser Zeit. Heute ist die Fischerei überschaubarer geworden, doch die Strukturen sind geblieben: Arbeitsplätze am Wasser, einfache Stege, Boote, die in der ruhigen Bucht liegen.
Blue Rocks neu gesehen
Die farbigen Aufnahmen zeigen Blue Rocks, wie es ist: gedämpfte Töne, weiches Abendlicht, die hölzernen Häuser als Teil einer schlichten, funktionalen Küstenlandschaft. Die Felsen im Vordergrund, vom Seegras überzogen, geben dem Bild Tiefe und Kontext. Es ist eine dokumentarische Beobachtung, frei von Inszenierung.

Die Infrarotversion dagegen verschiebt die Wahrnehmung. Wolken werden zu grafischen Strukturen, das Wasser zu einer glatten Fläche, die Häuser verlieren ihre Materialität und wirken wie Relikte. Die Szene bleibt dieselbe – und doch entsteht eine andere Wirklichkeit. Infrarot zeigt nicht den Ort, sondern eine stille, entrückte Atmosphäre, die im sichtbaren Licht verborgen bleibt.
Im direkten Vergleich wird sichtbar, wie Fotografie Wahrnehmung formt. Ein Motiv, das man zu kennen glaubt, öffnet sich erneut, wenn man es im unsichtbaren Spektrum betrachtet. Blue Rocks wird nicht neu erfunden, sondern neu gelesen.
Ja – die Infrarot-Fotografie kann andere Sehweisen und Bildwelten eröffnen: von analytischer Klarheit bis hin zu magischem Realismus.
Aufnahmedaten:
Nikon D700, für die monochrome Infrarot-Fotografie (Wellenbereich 830 nm) modifiziert. Objektiv: AF-S Nikkor 16-35 mm 1:4G ED VR; 0,8 s bei Blende 11 und ISO 200.
Farbige Versionen: Nikon Z 8 und Nikkor Z 14-24 mm f/2,8 S; 0,5 s bei Blende 8 und ISO 64.
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